Bunte Impressionen einer Nacht mit friedrichem Ende

Es ist der 08.06.2020. Heute hat sich wieder den ganzen Tag nicht viel getan in Richtung Geburt,

dachte ich zumindest. Übungswehen über den Tag verteilt, mal mehr mal weniger schmerzhaft

und völlig unregelmäßig, so wie die vergangenen zwei Wochen schon fast täglich. Am Abend

war ich mal wieder völlig frustriert und hatte furchtbare Sehnsucht nach meinem Bauchzwerg.

Mein Mann knuddelte mich noch ganz liebevoll bevor er um kurz nach 22Uhr das Licht

ausmachte. Ich konnte noch nicht schlafen und schrieb mir meinen Frust in einem

Schwangerschaftsforum, in dem ich mich schon die ganze Schwangerschaft herum treibe, von

der Seele. Kurz bevor ich zu Ende schrieb....  "Plopp"!  Und das in einer Lautstärke die mich

völlig aus den Gedanken und aus der Müdigkeit riss! Ich sog die Luft laut und scharf ein und

weckte damit meinen Mann neben mir. Es war 22:48Uhr. "Ich glaube meine Fruchtblase ist

geplatzt. Bleib liegen Schatz, ich prüf das nach.", sagte ich. Mein Liebster wirkte noch etwas benommen und blieb erstmal liegen. Ich bin unsicher ob er in dem Moment bereits begriffen hatte was nun passieren könnte....
Auf der Treppe merkte ich zu ersten Mal einen kleinen Schwall. "Okay, könnte auch Urin sein.", dachte ich mir. Im Flur vor der Toilette war die Binde, die ich seit einige Tagen sicherheitshalber benutzte, total durchnässt. "Okay! Das ist kein Urin!" Mittlerweile kam mein Mann etwas schlaftrunken die Treppe runter. "Schatz! Wir bekommen heute ein Baby!",  ein Satz den er heute noch sehr oft von mir in allen möglichen Intonationen hören würde.
Als nächstes überlegten wir, ob wir jetzt bereits die Hebamme anrufen sollten, denn ich spürte zwar Kontraktionen aber noch keine so starken und regelmäßigen wie sie die Anwesenheit einer Hebamme erforderten. Ich hüpfte (ja ich hüpfte teilweise wirklich herum!) völlig aufgedreht, fröhlich durchs Haus und trällerte immer wieder "Wir kriegen eine Baby! Wir kriegen ein Baby." Wir beschlossen trotzdem anzurufen, um der Hebamme etwas Vorlaufzeit zu geben und sie nicht später im Schlaf zu überrumpeln.
Ich wählte nun die Nummer von Silke, die Saskia in dieser Woche vertrat. Es war ziemlich genau 23 Uhr. Das war unser erster Kontakt überhaupt und ich war unglaublich froh und erleichtert als ich Silkes Stimme hörte und sofort tiefste Sympathie verspürte.  "Mit ihr kann es nur gut werden!", war mein erster Gedanke.
Während unseres Gespräches saß ich auf meinem Pezziball und hüpfte leicht. Dabei ergoss sich nach gerade mal 3 Sätzen am Telefon, ein wirklich großer Schwall Fruchtwasser auf den Ball und auf den Parkettboden! Genau das wollten wir absolut nicht! Ich war für einen Moment sehr abgelenkt und musste erstmal wischen. Dann bin ich in die Küche (Fliesenboden!) und wedelte mit dem Hintern,  auf die Arbeitsfläche gestützt, die nächste Wehe weg. Insgesamt war ich noch sehr gut beieinander und schlug Silke vor, dass sie vielleicht noch in Ruhe alles packen und ein kleines Powernap halten könnte, da sie an diesem Tag bereits eine Geburt betreut hatte, von der sie eben erst Heim gekommen war. Silke hatte aber scheinbar die Wehen während unseres Telefonats besser im Auge gehabt als ich. Die waren sehr regelmäßig und in kurzen Abständen!  Also verblieben wir dabei dass ich nochmal die Wehen genauer mit einem Timer stoppe und sie sich nochmal mit ihrer Kollegin, Pia, zusammentelefoniert und die Situation kurz bespricht.
So, nun hüpfte ich wieder aufgeregt durchs Haus, stoppte die Wehen und bereitete, zusammen mit meinem  Mann, das Badezimmer auf die Geburt vor. Also die alte Matratze aus dem Dachboden holen, noch ein paar Sachen von der Liste, die uns Saskia gegeben hat, zusammensuchen und immer wieder kuscheln und knutschen vor Freude.
Nach einer Weile Wehen stoppen, machte ich einen Screenshot vom Timer und schickte ihn Silke. 1 Minute lang Wehe und das alle 2 Minuten! Sie wollte daraufhin gleich nochmal telefonieren. Diesmal fiel es mir schon schwerer in den Wehen zu sprechen und laufen ging auch nicht mehr. Es war 23:24. Wir verblieben diesmal dabei, dass sie sich gleich auf den Weg macht (1h Anfahrt) und ich derweil bade.
Ich stieg in die Wanne und merkte schnell "zu warm!". Ich musste das Wasser bis auf gerade mal 35 Grad runter kühlen bis ich mich wohl fühlte. Kaum entspannte ich mich, wurden die Wehen intensiver. Ich musste bereits leicht tönen beim veratmen. "Das geht mir ein bisschen zu schnell...", antwortete ich auf die Frage meinem Mannes, ob es mir gut gehe. Wir wurden beide langsam nervös. Um mich zu beruhigen schloss ich die Augen und versuchte alle Muskeln bewusst zu entspannen. Dabei bemerkte ich ein wunderschönes Farbenspiel vor meinem inneren Auge, welches mich den Rest der Geburt begleiten würde.  Erst war alles blau, ein tiefes dunkles blau! Meine Lieblingsfarbe. Wenn eine Wehe anrollte, erschien ein rosa Punkt in der Mitte und weitete sich aus bis das ganze Gesichtsfeld rosa war, der Höhepunkt der Wehe! Bei abklingen wurde das Feld wieder aus der Mitte heraus blau. Es war wirklich schön und entspannend dabei zuzusehen wie die Farben sich abwechselten und die Schmerzen rückten in den Hintergrund. Ich tönte weiter automatisch vor mich hin und schon bald traf Silke ein. Ich war nicht sehr aufnahmefähig in dem Moment als Silke sich zu mir an die Badewanne setzte und so wartete sie geduldig bis ich die Augen öffnete und sie begrüßte. Die Sympathie war nach wie vor da, das Vertrauen auch und ich konnte mich noch mehr entspannen.
Sie half mir bald darauf aus der Wanne und wir bezogen auf der Matratze,beladen mit mehreren Kissen, unser Lager.  Hier sollte auch wenig später Friedrich zur Welt kommen. Silke bat mich auf den Rücken und schaute nach dem Muttermund. 7-8cm. Meinem Mann sagte sie dass es noch 1-1:30h dauern wird, der unter der Wehe nur ca 6cm weit war. Er zog sich daraufhin ins OG zurück und störte nicht, so wie besprochen.
Ich hörte ihre Angabe aber ich nahm sie nicht wirklich zur Kenntnis. Ich beobachtete weiter mein Farbenspiel und versuchte ganz bewusst mit meinen Ressourcen zu haushalten. "Das war noch nicht alles, es dauert noch ne ganze weile. ATMEN! Uiii, es wird rosa! ATMEN! Das wird noch intensiver! ATMEN!", waren so die Gedankengänge die ganze Zeit. Scheinbar war ich auch sehr laut beim tönen, aber davon bekam ich praktisch nix mit. Meinen Körper ließ ich einfach mal machen und dieser wollte in Bewegung bleiben. Ich war im Vierfüßlerstand und wippte auf und ab, wackelte herum, Bäume mich auf und ließ mich immer wieder tief in die Kissen fallen, um mein Gesicht darin zu vergraben. In der Dunkelheit konnte ich meinen schönen Farben zusehen und mich aus den Schmerzen zurück ziehen. Silke versuchte ein paar mal mir hilfreiche Tipps oder Anweisungen zu geben. Sie holte meinen Ball auf den ich mich stützen und rumwackeln konnte. Ich kann mich an keinen Moment des Stillstandes erinnern,  ich war nur in Bewegung. Ich glaube, ich habe Silke gelegentlich gehört wie sie mir sagte, dass ich es gut mache. Manchmal hat sie mich aus meinem Farbenspiel gerissen, um nach den Herztönen zu schauen. Friedrich war wohl sehr entspannt aber für mich waren das wirklich unangenehme Momente... aber die überwand ich, ich indem ich mir sagte, dass es noch nicht alles war, und es noch intensiver wird. Mental auf noch mehr vorbereitet, änderte sich mein Gefühl und ich merkte wie mein Körper plötzlich ganz andere Muskelpartien spielen ließ! Hoppeln, der presst ja! Ganz alleine hat der jetzt beschlossen das ganze zu beenden.  Das Farbenspiel änderte sich auch: zum rosa, kam ein rot dazu und ich stellte fest, dass es den Zeitraum für das effizienteste Mitschieben markierte.
Plötzlich schaltete sich mein rationales Denken wieder ein, die Schmerzen waren mit einem Mal sehr präsent aber noch gut beherrschbar. "Er ist gleich da! Gleich sehe ich mein Baby!", war mein einziger Gedanke. Bei der nächsten Wehe schob ich kräftig mit und wollte ihn jetzt raushaben! Ich schob weiter selbst als die Wehe vorbei war und ich wieder nur blau sah. "Du kommst da jetzt raus!", sagte ich zu meinem Sohn. Silke musste mich an dieser Stelle bremsen und zur Vernunft bringen. "Lass die Wehe los!", sagte sie energisch, "atme so: Pha Pha Pha!". Ich atmete: " Pha Pha Pha Pha", und erwartete sehnsüchtig auf das nächste rot! Leider war ich aber schon ziemlich raus und in der Wirklichkeit angekommen sodass es mir schwer fiel meine Farbenwelt wiederzufinden, aber es gelang... Zumindest soweit dass ich die rote Phase erkennen und ordentlich mitschieben konnte. Der Kopf war dann da und Silke empfahl mir sanft wieder zu warten und langsamer zu machen, um das Gewebe nicht zu überlasten, denn sie konnte in der Position, in der ich mich befand nix bis gar nix erkennen. Ich bäumte mich, beim Pressen, im Vierfüßlerstand nämlich auf und nahm eine seltsam hockende Position ein. "Ich will weiter!", presste ich heraus als ich immernoch rot sah und den Pressdrand verspürte. "Na gut, dann mach.", sagte Silke und ich machte mein Ding. Schwups, um 1:40 Uhr am 09.06.2020 glitt mir ein kleines, 3810g schweres, 56cm langes Bündel Leben zwischen die Beine. Zart rosa, bis weiß die Haut, leicht bläuliche Finger und Zehen und ziemlich nass lag er da. Erst gab er ein quitschen von sich, dann einen kräftigen Protestschrei, der in einem jammernden Wimmerruf nach Mutti mündete. Ich konnte bei seinem Anblick nicht fassen, dass es schon alles gewesen ist. Keine unerträglichen Schmerzen, keine völlige Erschöpfung und kein Gejammer dass ich nicht mehr kann. Einfach so und völlig entspannt kam er auf diese Welt.
Ich stellte mich etwas sehr ungeschickt an beim Umdrehen auf den Rücken und beim Hochnehmen des Kindes. Silke half mir, bedeckte mich und dann kam auch schon mein Mann, aufgeschreckt vom Babyschrei. Er war ziemlich überrumpelt, denn vor kaum 20min wurde er noch für voraussichtlich 1-1:30h hoch geschickt worden und nun, kaum 20min später war sein Sohn schon da!! Er wirkte etwas blass um die Nase, irritiert und ein bisschen hilflos. "Wie der Vater so der Sohn.", dachte ich amüsiert.
Friedrich wurde von Silke abgenabelt nachdem die Plazenta geboren war. So hatte mein Kleiner eine Weile zwei Systeme zur Versorgung mit Sauerstoff laufen und konnte sich diese Zeit zur Erholung nehmen. Als die Plazenta sich löste aber noch nicht geboren war, wimmerte er sacht. Ich hatte davon gelesen und fand es spannend das nun live zu sehen. Als nächstes wollte er die Brust und dockte direkt perfekt an. Leider waren aber Magen und Atemwege noch mit Fruchtwasser gefüllt. Er spuckte und hustete Milch und Wasser und hatte Schwierigkeiten sich zu fangen und ruhig zu atmen. Ein bisschen rubbeln und sacht auf den Rücken klopfen, halfen. Danach bekam mein Mann den kleinen Mann, eingewickelt in Handtücher, überreicht und wir kümmerten uns um mich.
Während die Plazenta sich nur zögerlich löste, habe ich wohl stark geblutet und Silke gab mir zur Sicherheit etwas Cytotec damit sich die Gebärmutter schneller zusammenzieht. Sicher ist sicher und ich fand und finde es war die richtige Maßnahme in der Situation, ich bin aber auch ein Schisser bei stärkeren Blutungen.
Mittlerweile war Pia eingetroffen und betreute mich zusammen mit Silke weiter. Irgendwann zogen wir ins OG um, wo ich auf dem Bett ein paar kleine Stiche bekam, denn ich hatte ja nicht gehört und das Gewebe hatte an einer kleinen Stelle ein wenig nachgegeben. Ansonsten hatte ich nur kleine Abschürfungen. Die Sache war also schnell erledigt und mein Mann kam mit Kind zum Kuscheln, Stillen und Schlafen. Silke und Pia bekamen noch einen Kaffee vor der Heimfahrt und gegen 4 Uhr schlummerten ich und Friedrich friedlich ein, während mein Mann noch wach blieb, weil er am frühen Morgen noch einen Termin hatte, der ärmste.

Pablo
Am Samstag hatte ich nachts schon die ersten Wehen. Ich habe mich schon gefreut und gehofft dass es bald losgeht. Jeder Tag früher wäre besser gewesen. Ich wollte nicht mehr schwanger sein. Das war ich, ehrlich gesagt, die ganzen 40 Wochen nicht gerne, aber jetzt am Ende wurde es immer schlimmer. Ich hatte einen megadicken Bauch, alles war beschwerlich, ich war immer am schwitzen, bekam dann auch noch täglich Sodbrennen und bei jeder Kleinigkeit Rückenschmerzen.
Die Wehen verzogen sich wieder bis Sonntag Nacht um vier. Ab da kamen sie regelmäßig zwischen 5 und 10 Minuten und ich fing an zu zeichnen, das heißt, der Schleimpfropf der den Muttermund verschließt, ging langsam ab. Ein gutes Zeichen dass es bald losgeht. Ich habe vorsichtshalber morgens um sechs schonmal meiner Hebamme, die mich bei der Hausgeburt begleitet, eine Nachricht geschrieben, dass es eventuell bald losgeht. Es war schwierig für mich den richtigen Moment zu finden um ihr zu sagen dass sie jetzt kommen soll. Den ganzen Tag über hatte ich mal mehr, mal weniger Wehen. Der Abstand wurde dann auch wieder größer zwischendurch. Schlafen ging aber leider gar nicht mehr. Mittags habe ich noch mit meinem Ältesten Sohn für seine mündliche Englisch Prüfung am nächsten Tag gelernt und veratmete da schon im fünf Minuten Takt die Wehen. Das war dann auch der Moment wo ich meinem Mann Andy geschrieben habe, dass er jetzt bitte dann kommen sollte. (Er hat meinen Eltern noch was geholfen) Kaum war er da, wurden die Wehen wieder weniger und wir haben dann auch versucht nochmal zu schlafen. Das hat leider nicht geklappt. Ich stand regelmäßig in Kontakt mit meiner Hebamme und als die Wehen dann regelmäßig zwischen drei und fünf Minuten kamen habe ich ihr dann Nachts um halb drei angerufen. Und wie es manchmal blöd läuft, war sie schon bei einer anderen Hausgeburt. Sie sagte mir dann, dass sie ihre Vertretung Silke schickt. Silke hatte ich vorher noch nie gesehen und im ersten Moment dachte ich nur "scheiße, hoffentlich passt das mit ihr." Eine Wahl hatte ich sowieso nicht und war auch froh, dass es überhaupt eine Vertretung gab. Außerdem hatte ich zu Saskia, meiner eigentlichen Hebamme, so viel Vertrauen, dass sie auch nur eine gute Vertretung haben konnte.
Als Silke dann nach einer Stunde kam, lag ich in der Badewanne. Wir lernten uns etwas kennen und, wie erwartet, war sie genauso toll wie Saskia. Sie ließ mich größtenteils machen, gab Tipps und Hilfestellungen, hörte ab und zu die Herztöne und war einfach da. Mein Mann brachte mir noch eine Käseplatte zur Stärkung ins Bad. Die Wehen zogen sich dahin und mittlerweile war dann nix mehr mit gut veratmen. Ich hatte starke Schmerzen und war so kraftlos. Die Nacht vorher ohne Schlaf stecke in meinen Knochen. Um etwa 6 Uhr tat sich immer noch nichts und wir liefen gemeinsam mit dem Hund um den Block. Wir gaben bestimmt ein lustiges Bild ab, als ich alle paar Meter auf Silke oder Andy gestützt, versuchte die Wehen zu veratmen. Für die paar Meter haben wir auf jeden Fall noch nie so lange gebraucht.
Saskia hat sich dann nochmals gemeldet, dass ihre Geburt soweit ist und sie uns noch Johanna, die Hebammenschülerin, schickt. Johanna hat sich dann nur im Hintergrund gehalten, alles beobachtet und aufgeschrieben.
Mittlerweile hatte ich schon Presswehen aber es ging immer noch nichts vorwärts. Silke hat mich dann nochmals untersucht und festgestellt dass der Bauchzwerg zwar mit dem Kopf nach unten, aber verkehrt herum liegt und es deshalb so lange dauert. Ein Sternengucker. Da meine Fruchtblase noch ganz war, sah sie aber gute Chancen, dass wir es schaffen den Zwerg zu drehen. Ich stellte mich im Vierfüsslerstand aufs Bett, den Kopf nach unten gesenkt und Silke umfasste meine Hüften und schüttelte kräftig. Auch während den Wehen, in denen ich dann auch versuchen sollte nicht zu pressen. Das hat irgendwie nicht so richtig geklappt, aber nach einigen sehr unangenehmen und sehr schmerzhaften Wehen, hat sie es geschafft.
Mittlerweile war ich so kraftlos dass ich die Minute zwischen den Wehen einige Male eingeschlafen bin. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so erschöpft und müde. Andy stand die ganze Zeit an meiner Seite und hielt meine Hand. Er erzählte mir dann später dass er irgendwann seinen Ehering abgenommen hat, weil ich seine Hand immer so zugedrückt habe.
Noch im Bett platzte dann die Fruchtblase und danach ging es relativ schnell. Ich versuchte immer wieder andere Stellungen, aber am wohlsten habe ich mich dann stehend an der Fensterbank gefühlt. Ich hatte zwar keine Kraft mehr raus zuschauen, wo es schon lange hell war, aber ich konnte meinen Kopf auf die Fensterbank auflegen und die Schwerkraft half mir unser Baby endlich auf die Welt zu bringen. Saskia, ihr wisst ja, meine eigentliche Hebamme, kam dann auch noch und das genau im richtigen Moment. Ich stand an meiner Fensterbank und hatte keine Kraft mehr zu pressen. Saskia stellte sich neben mich und hat mich noch einmal richtig motiviert und dann kam schon das Köpfchen. Es rutschte immer wieder zurück, aber irgendwann war der Kopf da und kurz darauf, um 10.08 Uhr, endlich unser Baby. Er war schon so wach und hat uns mit großen Augen angesehen und auch schon sein Köpfchen gehoben, als wollte er uns fragen, warum das denn so lange gedauert hat. Zum ersten Mal bekam ich bei der Geburt keinen Dammschnitt und es ist auch nur so minimal gerissen, dass nicht einmal genäht werden musste.
Ich legte mich kraftlos, glücklich und wieder hellwach ins Bett und mein nackter, in ein warmes Handtuch gewickelter kleiner Pablo wurde sofort auf mich gelegt und er durfte dann auch zum ersten Mal an meiner Brust trinken. Ich glaube erst da, stellten wir fest, dass wir doch kein Mädchen bekommen haben, sondern einen gesunden, starken Jungen. Er war perfekt.
Die Plazenta kam dann problemlos nach einigen Minuten und erst danach hat Andy dann mutig die auspulsierte Nabelschnur durchschnitten. Ich und Andy hatten den kleinen Wurm bestimmt schon eine Stunde auf dem Bauch liegen, als meine Hebammen dann die U1 gemacht haben, mit wiegen, messen und checken ob alles dran und gesund ist.
Es war so schön, gemütlich und harmonisch. Es gab keine Hektik und wir konnten zu dritt dann einfach noch im Bett liegen und etwas frühstücken. Unsere drei Hebammen haben sich dann auch gestärkt. 
Meine zwei Großen haben sich irgendwann auch aus ihrem Zimmer getraut um ihren kleinen Bruder zu begrüßen. Sie haben zwar auf eine Schwester gehofft, waren aber auch gleich ganz verliebt in Pablo. Bei der Geburt wollten sie nicht dabei sein.
Schon lustig, dass ich zuerst fast keine Hausgeburtshebamme gefunden hatte und dann letztendlich mit zwei plus Schülerin die Geburt erlebt habe. Ich bin so dankbar diese Erfahrung gemacht zu haben. Andy war einer Hausgeburt gegenüber anfangs sehr skeptisch, da er kein Blut sehen kann und großen Respekt davor hatte. Außerdem war die Hebamme ja eine Stunde Fahrt entfernt ist und eine riesen Sauerei gibt das bestimmt auch. Nach dem ersten Gespräch mit ihr, war er dann einverstanden damit und jetzt würde er es nicht mehr anders machen. Ich war übrigens dann noch so mutig und habe ein Eckchen von der Plazenta in einem Apfel-Bananen Smoothie getrunken. Ich weiß nicht ob es geholfen hat, aber meine Nachwehen waren ganz leicht und meine Gebärmutter hat sich schnell zurückgebildet. Auch die ersten Tage waren perfekt. Ich blieb noch viel im Bett, obwohl ich eigentlich viel schneller fit war als bei den anderen zwei Geburten, wurde rundum von meinem Mann versorgt und kümmerte mich einfach um dieses kleine, perfekte Wesen das unbedingt noch zu uns wollte. Auch wenn die Schwangerschaft ungeplant und unerwartet war, können wir jetzt sagen, dass er noch gefehlt hat. Er macht unsere Familie komplett. Danke, kleiner Pablo dass Du uns ausgesucht hast.
Und danke ihr lieben Hebammen, ihr seid Superheldinnen, nur ohne Cape. Trotz allen Steinen die euch in den Weg gelegt werden kümmert ihr euch mit aller Kraft und Liebe um uns Frauen bei den Hausgeburten.


Nach meiner ersten Geburt 2004 hatte ich ein Geburtstrauma. Nur konnte ich das damals nicht benennen und ich kannte sowas auch nicht. Ich habe das erst durch meine zweiten Geburt 2006 (auch im Krankenhaus), bei der es kaum Eingriffe gab, verarbeitet. Die dritte, die Hausgeburt, rundet jetzt alles noch ab. Obwohl ich mich auf eine schmerzfreie Geburt vorbereitet habe, das aber leider nicht so geklappt hat, ich etwa 30 Stunden Wehen hatte, war diese Geburt schön. Hier gab es keine Eingriffe von außen, keine PDA, keine Saugglocke, keinen Dammschnitt, keine unnötigen Untersuchungen, hier war einfach noch das Vertrauen in die Frau da. Wir sind dafür gemacht Babys zu gebären. Und wenn man uns lässt dann können wir das, fast immer, auch ganz alleine. Ich kann nur jedem der über eine Hausgeburt nachdenkt dazu raten. Es ist nicht verantwortungslos, sondern ihr übernehmt in dem Moment die Verantwortung und gebt sie nicht an der Krankenhaustür ab.

Arno Anton

 

Am 8.8.2020 kam unser kleiner Arno Anton zur Welt. Er ist unser 4. Kind und unsere erste Hausgeburt. Schon nach der Geburt unseres 3. Sohnes sagte ich zu meinem Mann Christian „Hm das wäre sicher auch eine schöne Hausgeburt gewesen“. Schon meine vorhergegangenen 3 Geburten waren schnell und unkompliziert. Wir waren immer froh es noch in die Klinik geschafft zu haben.
Als wir dann von der 4. Schwangerschaft erfahren haben kam das Thema Hausgeburt nur kurz zur Sprachen. Mein Mann hatte bedenken und mit den Worten „oh je die ganze Sauerei will ich eigentlich nicht zuhause haben“ war das Thema erstmal wieder vom Tisch. Für mich war klar, dass es nur geht wenn wir das beide wollen.
Aber in mir schlummerte es und immer wieder stöberte ich auf Saskias Homepage herum und las mir dort die Geburtsgeschichten durch…. Und dann kam Corona ☺
Ich war ca. in der 28 SSW als wir uns dazu entschieden hatten uns von Saskia einfach mal anzuhören wie das so abläuft mit der Hausgeburt und wir in einem gemeinsamen Gespräch unsere Fragen zum Thema loswerden konnten. Als dann auch die Frage mit der „Sauerei“ geklärt war ☺ waren wir uns einig. Unser Arno soll zuhause auf die Welt kommen. Und wir freuten uns Saskia an unserer Seite zu haben.
Der ET war der 23.08. Allerdings hatte ich Ende Juli echt schon die Nase voll… es war so unerträglich heiß. Immer wieder witzelte ich das der Kleine am 8.8. auf die Welt komme … und so kam es dann auch ☺
Am Abend vorher saßen wir gemütlich mit Freunden auf der Terrasse und ich hielt meinen runden Bauch in dem es Wild zappelte. Gegen 23 Uhr kam unser Großer (7 Jahre) aus seinem Zimmer und klagte über Bauchschmerzen. Ich gab ihm eine Spuckschüssel mit ans Bett und ahnte schon böses. Gegen 23.30 Uhr verabschiedeten wir dann unseren Besuch und gingen ins Bett – mein Mann mit den spaßigen Worten „heute habe ich keine Lust mehr auf eine Geburt“.
Um 2 Uhr wurde ich kurz wach und bemerkte ein leichtes ziehen im Rücken, mit dem Gedanken - das sind Senkwehen - schlief ich sofort wieder ein. Ich erwachte eine Stunde später am Geräusch des aufknallenden Klodeckels. Unser Großer schien sich, wie befürchtet, den Magen verdorben zu haben. Als ich ins Badezimmer kam um ihm seelischen Beistand zu leisten erwischte ich mich wie ich „Beckenschaukelnd“ vor ihm stand und dachte „hm das zieht aber doch ziemlich regelmäßig in meinem Rücken“. Kurz darauf nahm ich Zeichnungsblutungen wahr.
Jetzt weckte ich Christian. Nun war ich ziemlich unsicher, denn schließlich hatten wir ja noch 15 Tage bis zum ET. Aber der Blick auf die Uhr (15 min Abstände) und die Unruhe in mir sagten mir „wir rufen lieber Saskia an“. Denn aufgrund meiner 3.ersten Geburten war es ihr ein Anliegen das wir sie lieber zu früh anrufen.
Ich schilderte Saskia die Lage. Sie sagte mir dass sie sich gleich auf den Weg macht. Christian ging Duschen und richtete die Utensilien Kiste ins Wohnzimmer. Dann überkam ihn der Gedanke das er noch ein paar Brötchen zum Frühstück backen könnte – diesen Gedanken schlug ich ihm allerdings sofort wieder aus dem Kopf ☺ Ich ging Duschen und um kurz nach 4 Uhr war Saskia auch schon bei uns. Sie rief direkt ihre Kollegin Silke dazu. Ich hatte immer noch regelmäßige aber sehr schwache Wehen. Wir richteten das Wohnzimmer für die Geburt her und um kurz nach 5 Uhr kam Silke. Beide Hebammen strahlten eine unglaubliche Ruhe aus. Christian versorgte alle mit Tee, Kaffee und sonstigen Dingen. Bis 6 Uhr bemerkte ich nur langsam dass die Wehen stärker wurden. Ich tigerte so vor mich hin und hielt mein Becken in Bewegung, mein Mann kümmerte sich zwischendrin um unseren Großen der sich nochmal übergeben musste.
Immer wieder kam Saskia zu mir und checkte die Herztöne von unserem Baby. Alles war gut und alle ganz entspannt. Während sich Christian gemütlich mit Saskia und Silke unterhielt zog ich im „Hintergrund“ meine Runden. Um 6 Uhr beschloss ich dann, die 3 Großen Jungs von Opa abholen zu lassen. Als diese dann um ca. 6.30 Uhr das Haus verlassen hatten, war mir klar, „jetzt kann es los gehen“. Die Wehen wurden intensiver und ich musste sie zunehmend veratmen. Saskia brachte mir einen Stuhl um mein Bein während den Wehen aufzustellen. Christian versorgte uns mit Nutella Brot ☺
Der Druck wurde immer größer und die Wehen nahmen zu. Christian setzte sich nun zu mir ans Sofa und streichelte mir den Rücken während ich mich auf seinem Schoß abstütze. Saskia fragte ob sie den Gebärhocker aus dem Auto holen soll. Die Idee gefiel mir sehr gut. Als Saskia den Gebärhocker aufbaute merkte ich wie ich immer mehr das Gefühl hatte dem Druck nachzugeben. Silke sah es mir an und ermutigte mich diesem Gefühl nach zu geben. Immer wieder schenkte sie mir ein Lächeln das mir unglaublich Sicherheit und Kraft gab.(Danke nochmal dafür an dieser Stelle liebe Silke). Somit gab ich diesem Druck nach und Schwups platzte die Fruchtblase, worüber wir uns alle freuten. Da ich bis dahin immer wieder sagte, dass sie jetzt mal platzen könnte. Nun platzierte ich mich auf dem Gebärhocker und spürte sofort wie die nächste Wehe und das Baby kommt. Mit dieser Wehe presste ich unseren Arno raus. Mit einem Rutsch landete der kleine Wurm um 8.23Uhr auf unserem Teppich. Ich spürte eine unglaubliche Erleichterung. Saskia gab ihn mir direkt in die Arme. Alles lief Prima und wir konnten die ersten Stunden so richtig genießen.  Am Nachmittag kamen die 3Großen Brüder wieder nachhause und begrüßen das neue Familienmitglied voller Liebe. Mein Mann und ich sind so froh diese Entscheidung so getroffen zu haben. Es war ein wundervolles Erlebnis und wir erinnern uns sehr gerne zurück an diese entspannte Geburt. Corona sei Dank ☺ Ein großes Danke an Saskia und Silke die diesen magischen Moment so wundervoll begleitet haben.

Mathilda Anna Lippitsch

15.01.2021 ~ 02.00 Uhr ~ 40+5
3320 Gramm ~ 52 cm ~ 33 cm

Die Tage davor:
Vier Tage vor der Geburt ging schon nach und nach der Schleimpropf ab. Von Übungswehen oder Senkwehen war jedoch nichts zu spüren. Mit Akupunktur durch Silke, Datteln und Ananas versuchten wir etwas nachzuhelfen.
Donnerstag morgen hatten wir noch einen Kontrolltermin bei unserem Frauenarzt, der vollstens zufrieden war. Das Gewicht von Mathilda wurde etwa auf 3200 gram geschätzt.

Tag der Geburt:
Donnerstag Nachmittag 14.01.2021, waren Dennis und ich noch eine größere Runde spazieren. Nach einer Tasse Tee am Abend ging ich ins Bett und dachte an die baldige Geburt.
Um 22.49 Uhr platze dann in einem Schwall die Fruchtblase im Bett. Es war zwar eindeutig die Fruchtblase aber trotzdem nahm ich einen Teststreifen um zu prüfen ob es Fruchtwasser war, rein aus Neugier.
Um 22.57 Uhr schickte ich Silke ein Bild von dem Teststreifen und sie hat mich direkt angerufen um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen. Nach wie vor hatte ich noch keine Wehen und wir beschlossen noch einen Tee zu trinken und anschließend ins Bett zu gehen um Kraft zu tanken. Recht schnell hatte mein Darm auch den Drang sich zu entleeren. 
Nach 20 Minuten etwa haben wir uns ins Bett gelegt und schlagartig kamen die ersten Wehen. Die Wehen waren direkt im Abstand von 2 bis 3 Minuten etwa eine Minute lang. Dennis meinte ich solle doch Silke lieber anrufen und informieren das es recht schnell voran geht. Sie sagte sie hält sich bereit und wir telefonieren nochmal. 
Ich beschloss dann mich in die wanne zu legen um die Schmerzen, hoffentlich, etwas besser zu ertragen.
Zu Beginn half das warme Wasser die Wehen besser zu ertragen. Nach 20 Minuten in der Wanne kamen bereits die ersten Presswehen und ich war kaum mehr in der Lage zu sprechen. Zu dieser Zeit haben dann Silke und Dennis telefoniert und Silke machte sich direkt auf den Weg.

Die Presswehen wurden immer stärker und stärker und ich folgte dem Drang zu pressen. Dennis war stets an meiner Seite und hat mich liebevoll umsorgt.
Mit einer Presswehe musste die kleine ein gutes Stück runter gerutscht sein, da ich einen starken brennenden Schmerz spürte.
Daraufhin sagte ich nur "Ich glaube sie kommt" und Dennis stand bereit Mathilda aus dem Wasser zu fischen. Glücklicherweise war es noch nicht so weit und Silke kam noch vor der kleinen.
Silke untersuchte mich um den Fortschritt der Geburt einschätzen zu können. Sie horchte die Herztöne ab und half mir die Wehen besser zu veratmen. Zwischenzeitlich habe ich das Bad mit Wasser geflutet, da ich immer wieder auf der Suche nach einem guten Halt für mein Bein war.
Nach weiteren Presswehen sagt Silke es wäre besser wenn ich aus der Wanne rauskäme da sie die Herztöne in der Position eher schlecht findet und die kleine sich schwer tut raus zu kommen.
Langsam und immer wieder mit Wehen wanderte ich mit Dennis ins Bett und ging in den Vierfüssler. Silke akupunktierte noch meinen Damm um die Dehnbarkeit zu unterstützen und sie massierte meinen unteren Rücken mit Öl das wirklich sehr angenehm war. 
Nach 3 Presswehen im Bett gebar ich die kleine Mathilda auf einen Schwung. Den Satz "Da kommt der Kopf." konnte Silke nicht mehr ganz aussprechen.

Die zweite Hebamme, Saskia die immer zur Unterstützung kommt, kam dann nach der kleinen Mathilda und übernahm den Papierkram.

Mit einem kurzen aber kraftvollen Schrei begrüßte uns um Punkt 2.00 Uhr unsere kleine Mathilda. Somit haben die Mama und Mathilda nun am gleichen Tag Geburtstag.
15.01.2021 und 15.01.1993

Nachdem ich kurz Zeit zum atmen brauchte legte mir Silke dann unsere Tochter auf den Bauch und ich legte sie direkt an die Brust. Voller Eifer begann sie direkt zu trinken und war voll und ganz zufrieden mit der neuen Situation. 
Die Plazenta war 15 Minuten später ohne Nachwehen und mit etwas Hilfe von Silke direkt geboren. 

Silke und Saksia zogen sich zurück und gaben uns dreien Zeit uns kennenzulernen und die Geburt und unsere Tochter genießen zu können. 


Nach einer Weile kamen die zwei wieder und untersuchten mich auf Verletzungen. Da die Geburt sehr schnell voran ging, bin ich stark gerissen und wir entschieden ins Krankenhaus zu fahren. Silke fuhr mit mir ins Krankenhaus und war immer an meiner Seite. Während des Nähens war ich sehr froh ihre Hand halten zu können. Saksia blieb mit Dennis und Mathilda zuhause und machte die U1. 
Im Krankenhaus wurde ein hoher Dammriss in 3 oder 4 Richtungen festgestellt. Ich wurde etwa eine Stunde genäht und durfte anschließend wieder nachhause zu meinem Mann und meiner Tochter.

Später am Abend kam Silke nochmal vorbei um nach uns zu schauen.

Wir sind wirklich sehr zufrieden und unglaublich dankbar so eine tolle Hebamme gefunden zu haben. Wir würden uns jederzeit wieder für eine Hausgeburt mit Silke entscheiden.

© 2020 Silke Israel. Erstellt mit Wix.com.

Tel.: 07383 / 9599791

Silke Israel

Hebamme